Hans A.
3/5
Wenn der Juniorchef bloß nicht ...
... so unendlich genervt wäre.
Wir waren auf dem Karnischen Höhenweg unterwegs und kehren nach einem langen Tourentag auf der Terrasse ein. Der Kellner (der sich später als Juniorchef herausstellt) belehrt uns "als Bergführer" eifrig darüber, wie wir uns als Gäste zu verhalten hätten: zuerst einmal in Ruhe hinsetzen und die Karte studieren, dann müsse man nicht fragen, ob es einen Apfelstrudel gäbe. Dazu mit kräftigem Seufzen: die Strudel-Auswahl wäre so umfangreich, wie könnten wir von ihm erwarten, das alles aufzuzählen.
Nun, wir lassen uns also zuerst die Getränke bringen und studieren inzwischen die Speisekarte und ja tatsächlich: es gibt Apfelstrudel (samt Rechtschreibfehlern) solo, mit Vanilleeis oder mit Schlag, und das alles gar in kalt und warm. Welcher Gastronom wäre da mit einer Aufzählung nicht völlig überfordert?
Die nächste Herausforderung für den guten Mann ist unsere Information, im Haus zu nächtigen. Auch da nach einem mitleiderregenden Seufzen über die Bürden eines Hoteliers ein umfangreiches Lamento (dieses und jenes und heute würde dann auch noch eine ganze Alpenvereinsgruppe einchecken wollen), bis er uns letztlich die Rezeptionistin schickt.
Die Rezeptionistin ist freundlich, wie es sich gehört, das sog. Touristenzimmer ist in Ordnung (Dusche nur warm, nicht heiß), ebenso Abendessen und Frühstück. Die Kaffeemaschine ist allerdings überfordert und keine Freude kommt auch bei der Tischzuteilung zum Frühstück auf. Muss man uns da zwangsweise zu anderen Gästen setzen, wo es mehrere Tische ohne Zuteilung gibt?
Liebe Frau Plattner,
Ihre Aufregung kann ich nicht wirklich verstehen. SIE HABEN MICH UM EINE BEWERTUNG GEBETEN.
Darf oder muss ich Ihnen Ihr Mail vorlesen? Wörtlich haben Sie geschrieben: Ihre Meinung ist uns wichtig! Damit wir uns ständig verbessern können, freuen wir uns über Ihre Bewertung auf ….
Übrigens: bei der gegenständlichen Bestellung sind wir bereits gesessen und haben uns gefreut, nicht lange auf eine Bedienung warten zu müssen. Zeit für einen ausgiebigen Blick in die Karte war noch nicht und wir ahnten auch nicht, dass die Apfelstrudel-Frage Ihre internen Abläufe und das Nervenkostüm Ihres Mannes derart strapazieren würden.
Tja, das Warmwasser in der Dusche: Sie haben Recht, ich hätte es vor Ort reklamieren können und wohl auch sollen. Nach den vorherigen Erlebnissen mit Ihrem Mann haben wir lieber davon abgesehen, wir wollten keinen weiteren Seufzer aus tiefstem Herzen eines gepeinigten Hoteliers hören – und auch keinen Herzinfarkt bei ihm bzw. weiteren Tadel für falsches Verhalten bei uns riskieren. Was Sie JETZT im Nachhinein tun können? Der Sache nachgehen und dafür sorgen, dass es beim nächsten Gast besser läuft. Was – so darf ich Ihnen gerne sagen – übrigens ganz generell der Sinn von Bewertungen ist.
Zur Frühstücksfrage: ja, in Schutzhütten ist das so, dass man zusammenrückt, in Hotels schätzen (und bezahlen) wir die Intimität eines eigenen Zimmers und sind auch beim Frühstück gerne unter uns. War aber auch nicht schlimm, ich wollte es nur erwähnt haben (wie gesagt, Sie haben mich um Meinung und Bewertung gefragt). Selbiges gilt auch für die Kaffeemaschine: es war keine Katastrophe, aber Sie haben mich um Feedback gebeten.
Welches übrigens durchaus auch positiv ausgefallen ist.
Ein paar Dinge möchte ich Ihnen aber doch noch mitgeben. Zum Abendessen: die Erdäpfel zum Wiener Schnitzel und zum Fisch waren, naja, bereits etwas abgestanden und der „Fisch vom Grill“ (so stand es in der Speisekarte) war nicht vom Grill, sondern aus der Pfanne.
Zum Verhalten: es macht keinen guten Eindruck, wenn die Chefin sich vor Gästen lautstark über frühere Gäste lustig macht, wie Sie es bei der Begrüßung der AV-Gruppe gemacht haben. Weiters macht es keinen guten Eindruck, wenn die Seniorchefin sich an der Bar einen doppelten Schnaps einschenkt und sich diesen hinter die Binde kippt, bevor sie sich zum Abendessen an den Familientisch setzt. Das macht wirklich keinen guten Eindruck, ist aber irgendwie bezeichnend für das Haus.
Herzliche Grüße